Ich will das Beste für mich und meine Kinder und Unabhängigkeit vom Jobcenter
Erfolgsgeschichte Hilfe zur Arbeit
Christina ist 35 Jahre alt und ging bis vor kurzem jeden Abend um 19 Uhr ins Bett. Zeitgleich mit ihren Kindern. Sie hat keine Freunde in Deutschland. Reisen in ihr Heimatland Griechenland kann sie sich nicht leisten. Sie war frustriert, gefangen im Alltag und wollte raus. Als sie bei „Hilfe zur Arbeit“ anfing, waren ihre Kinder fünf und vier Jahre alt. Sie war bereits seit drei Jahren alleinerziehend und auf der Suche nach einer größeren Wohnung. Aber das eigentliche Bedürfnis bestand im Austausch und Kontakt zu Erwachsenen. Und dem Wunsch nach Unabhängigkeit von externer Hilfe.
Ihr Ex-Partner, der Vater ihrer beiden Kinder, hatte bereits früh die Verantwortung für sein Leben und damit auch für seine Kinder abgelehnt. Zu ihrem eigenen Bedauern zog sie die finale Konsequenz recht spät. Erst als er im gemeinsamen Zuhause, also am Aufenthaltsort der kleinen Kinder, Drogen konsumierte, verließ sie ihn. Seitdem lebt sie allein mit zwei Kindern auf 33 Quadratmetern. Das macht ihr vor allem deshalb zu schaffen, weil sie keine Gelegenheiten hat, sich weiterzuentwickeln und zu einem besseren gemeinsamen Leben beizutragen. Sie sagt: „Ich empfinde es als schlecht, vom deutschen Jobcenter abhängig zu sein. Ich will so gerne arbeiten und meine Miete selbst zahlen.“
Sie selbst ist 1990 in Griechenland geboren. Die Schule hat sie erfolgreich mit dem dortigen Abitur abgeschlossen, was in Deutschland als Mittlere Reife eingestuft wird. Obwohl sie diszipliniert ist, hat es nicht für die Zulassung zu einem Studium in Griechenland gereicht. Ihr ursprüngliches Ziel war, bei der Polizei oder Armee zu arbeiten. Ordnung, Klarheit, Grenzen und Routinen entsprechen ihrem Naturell. Sie ist angekommen. Und zwar bei der Ausbildung zur Erzieherin. Diese findet im „Haus für Kinder“ der AWO München statt.
Arbeitsgelegenheit statt emotionaler Überlastung
Möglich gemacht hat das die Unterstützung von „Hilfe zur Arbeit“. Petra Sahner kennt Christina seit drei Jahren. Bis sie zu uns kam, hatte sie hauptsächlich Kontakt zu ihrem kranken, über 70-jährigen Vater. Und zu ihrer Mutter, die noch berufstätig ist. Beide leben zwar gemeinsam in München, doch keiner von beiden konnte sie bei der Betreuung ihrer kleinen Kinder unterstützen. Petra Sahner erzählt: „Christina achtet offensichtlich auf ihr Äußeres, kommt aber kaum unter Menschen. Sie hatte eigentlich null sogenannte Me-Time.“
Aktuell hat Christina eine AGH-Stelle (Arbeitsgelegenheit auf 2-Euro pro Stunde-Basis) als pädagogische Hilfskraft. Das bedeutet, dass sie in diesen Job erst einmal „hineinschnuppern“ durfte, um Praxiserfahrung zu sammeln, bevor sie eine Ausbildung beginnt. „Ehrlich gesagt“, gesteht Christina, „war das nicht mein Wunschberuf, aber jetzt passt es wunderbar.“ Sie hat in den Ferien gleichzeitig mit ihren Kindern frei. So kann sie endlich auch soziale Bindungen aufbauen. Bislang hat sie ausschließlich mit und für ihre eigenen Kinder gelebt. Langsam findet sie nun heraus aus ihrer emotionalen Überlastung.
Geduldiger mit den Kindern und den Eltern
Auch beruflich war es ein Prozess. Petra Sahner erinnert sich: „In den Fördergesprächen bemerkten ihre Vorgesetzten, dass Christina zu körperlich mit den Kindern umging. Ihr Ton sei etwas ruppig gewesen und sie habe zu selten gelächelt.“ Doch mit der neuen Leitung änderte sich das.
„Christiana hat sich sowohl an die privaten als auch an die beruflichen Abläufe gewöhnt und ist nun viel weniger erschöpft. Beim Folgegespräch klang es dann bereits ganz anders. Die neue Leitung hat sehr vieles gelobt. Das reichte von ‚Du begegnest uns mit respektvollen, überlegten Lösungsschritten‘, ‚Du bist für den Beruf absolut geeignet‘ und ‚Du nutzt deine Chance sehr gut‘ bis zu ‚Du bleibst bitte auf jeden Fall bei uns für deine Ausbildung!‘“
Christina empfindet ihre Kollegen als Ersatzfamilie und stabiles soziales Netz. Petra Sahner erzäht sie: „Auf dem Nachhauseweg überlege ich oft, was die Kollegen gesagt haben, was ich besser machen kann und warum ich so agiert habe.“ Mit ihren Kindern sei sie dank ihrer Arbeit auch viel nachsichtiger geworden. Sie sagt: „Ich bin stolz darauf, dass meine Tochter tough ist, und dass ich sie so auf das Leben vorbereite.“ Und sie ergänzt: „Das machen nicht alle Eltern so. Hier, in meiner Ausbildung lerne ich, geduldiger mit Kindern und vor allem mit den Eltern zu sein.“
Sie ist angekommen und wird Erzieherin
Dass ihr eigener Weg so schwierig war, liegt wohl daran, dass ihre Eltern nach Deutschland kamen, um zu arbeiten, als sie gerade 18 Jahre alt war. Sie jobbte daraufhin als Aushilfe in einem Make-up-Studio, als Verkäuferin und in der Gastronomie. Schließlich entschloss sie sich, ihren Eltern zu folgen. Doch auch in Deutschland arbeitete sie in Aushilfsjobs, anstatt eine Ausbildung zu absolvieren. Sie war Putzfrau, Kellnerin und Hotelhilfe. Dann folgten die Schwangerschaften und Elternzeiten.
Heute kommt sie jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit. Doch die Elternarbeit fällt ihr nach wie vor schwer. Sie sagt: „Eltern nehmen ihren Kindern oft die Möglichkeit, sich etwas zuzutrauen, es auszuprobieren und es immer wieder zu versuchen. Sie übernehmen es dann für das Kind. Das ist sehr schwierig für die Kinder.“ Sie selbst probiert sich jetzt aus, erlaubt sich Fehler und zieht es durch. Endlich. Dank Petra Sahner, dank ihres neuen Netzwerks und dank ihres neu gewonnenen Selbstbewusstseins.
*Name von der Redaktion geändert












