Vom Lanzeitarbeitslosen zum zuverlässigen Aushilfskoch

Erfolgsgeschichte aus dem Bereich „Kantine“

Wohnungslos, arbeitslos, perspektivlos – das war damals. Heute ist Erich Bender* Aushilfskoch und die Vertretung der Küchenleitung bei anderwerk. Zusätzlich ist er als Rettungsschwimmer der DLRG bei den Münchener Schwimmbädern tätig.

Der Weg führte ihn vor über zehn Jahren aus einer stabilen Beziehung, einer zehnjährigen Festanstellung und einer Mietwohnung wegen seiner Trennung zu Ortswechsel, Alkoholmissbrauch, Jobverlust, auf die Straße und schließlich in ein Männerwohnheim in München. Bis es ihm gelang wieder zurück in ein geregeltes Leben zu finden, vergingen viele Jahre. Er absolvierte zahlreiche Stabilisierungsmaßnahmen und dort begegneten ihm die richtigen und vor allem hilfsbereiten Menschen … Eine davon ist Amalie Weber, Küchen- und Hauswirtschaftsmeisterin bei anderwerk.

Koch anderwerk Kantine

Dank ihrer Anleitung und ihres Vertrauens hat er gute Zukunftsaussichten: „Er hat keine Fehltage und ist mir eine große Stützte“, sagt Amalie Weber. Den Grundstock zum Koch habe er, jetzt fehle ihm der Feinschliff und die reguläre Kochausbildung. Gemeinsam überlegen sich Weber und Bender das Wochenmenü. In anderen Kantinen wiederholten sich die Speiseabfolgen alle vier Wochen. Bei anderwerk sei das anders. „Wir profitieren von den Menschen, die zu uns in die Küche zu Stabilisierungsmaßnahmen kommen“, so Weber. „Hier finden die langzeitarbeitslosen Teilnehmenden eine feste Struktur und eine Aufgabe die ihnen hilft, sich zu finden und in einer Qualifizierungsmaßnahme mitzuarbeiten.“

Alle seien in der Großküche aufgerufen, Ideen und Vorschläge zu liefern und so gäbe es mal Couscous-Salat, dann italienische Pasta, indisches Curry oder bayerische Kässpatzen. Das Speisenangebot habe sich mit den Menschen verändert: „Früher haben wir mehr Hausmannskost gekocht“, erinnert sich Aushilfskoch Bender. „Heute gibt es auch mal Hummus oder Innereien.“ Aber nach wie vor werde kein Gericht mit Alkohol verfeinert oder gekocht. „Das ist ja in vielen Religionen nicht so gewollt. Und auch für Leute wie mich, die dem Alkohol mal näher standen, ist das nicht so gut“, erklärt Bender.

Erfolgreiche Stabilisierung und Qualifizierung

Von Remscheid war er aus dem Beziehungszwist mit seiner damaligen Partnerin zu seiner Schwester nach München „geflohen“. Erich Bender* war zunächst sehr umtriebig und fand sofort einen Job in seinem Beruf als Schreiner. Doch der plötzliche, krankheitsbedingte Tod seiner Schwester und der weitere Ärger mit seiner Ex-Freundin brachten ihn aus dem Gleichgewicht: Wegen wiederholten Fahrens unter Alkoholeinfluss verlor er zuerst seinen Führerschein und kurz darauf auch seine Anstellung. Da er zu diesem Zeitpunkt erst eine sehr kurze Periode in München gelebt hatte, bestand hier kein Anrecht auf eine finanziell unterstützte Wohnung.

„Aber in München muss keiner auf der Straße leben, der nicht will“, fügt Bender sofort an. „Ich bin ins Männerwohnheim in der Pilgersheimer Straße. Das war hart aber besser als auf der Parkbank.“ Dort musste Bender um acht Uhr morgens sein karges Zimmer inklusive Spint räumen bis er mit den anderen Bewohnerin am Nachmittag wieder „einziehen“ durfte. Nach drei Jahren zieht er in ein Zimmer eines anderen Männerwohnheims. Parallel fängt er als Küchenhilfe bei anderwerk an.

Perspektive als Aushilfskoch

Er hat sich von der Aushilfskraft zur Stellvertretung hochgearbeitet. Langsam seine Stundenanzahl gesteigert. Privat wohnt er mittlerweile wieder in einer Mietwohnung. In wenigen Wochen läuft sein Vertrag bei anderwerk aus, doch Amelie Weber ist mehr als zuversichtlich: „Die Fähigkeiten, Ruhe, Zuversicht und Kraft hat er nun. Er wird sicher eine Arbeit finden.“

*Name von der Redaktion geändert