Erfolg im zweiten Anlauf

Erfolgsgeschichte aus dem Bereich „anderschule“ und aeH

Am Anfang war nach einer halben Stunde Schluss. Später schaffte es Michael Kruse*, sich für ganze 60 Minuten zu konzentrieren. Dass er zum Schluss eine fast vierstündige Prüfung bestanden hat, ist ein Riesenerfolg. Für Michael. Für anderschule. Für die ambulanten Erziehungshilfen, die Honorarkräfte bei anderwerk und für seine Eltern.

„Michael ist unsere absolute Erfolgsgeschichte des Jahres“, freut sich Thomas Faßbender, Sozialpädagoge bei den ambulanten Erziehungshilfen von anderwerk. Michael Kruse war bereits auf einer Förderschule, als er mit 15 Jahren einen schwerer Autounfall erlitt, der seine Probleme verstärkte. Durch die Unterversorgung des Gehirns kurz nachdem sich das Auto überschlagen hatte, nahm später sein auffälliges Verhalten zu, vergößerte sich seine Konzentrationsschwäche und litt er zudem unter Schlafstörungen und Alpträumen.

anderschule aeH

Mit den Erfolgserlebnissen kam der Lernfortschritt

„Micha war gerade 16 Jahre alt, als er nach der Reha-Maßnahme zu uns in die anderschule kam“, erinnert sich sein Lehrer Manfred Trojer. „Er wirkte jünger, hing in seiner Entwicklung etwas hinterher und hatte auch ein schulisches Defizit. Wir mussten ihn spätestens nach einer Stunde aus dem Unterricht bitten, weil er seine Unruhe stets an seine Mitschüler weitergab“, so Trojer weiter. An selbstständiges Arbeiten sei zunächst nicht zu denken gewesen, wie seine Betreuer berichten. Die individuelle Förderung und der Unterricht in sehr kleinen Gruppen in der anderschule habe dem Schüler dann geholfen.

Sobald Michael kleine Erfolgserlebnisse hatte, also sein Wissen anbringen konnte, wuchs auch der Lernerfolg. „Es war schön zu sehen, wie es ihn aufbaute, wenn er in Mathe mehr wusste als die anderen“, erzählt sein Lehrer. Die Regelmäßigkeit in der Schule aber auch das feste Programm der ambulanten Erziehungshilfen habe ihm eine Stabilität und langfristig auch Ruhe gegeben. Thomas Faßbender ergänzt: „Egal, ob es Gemüse schneiden oder alleine eine Sportart ausprobieren ist, wie Rodeln. Wir trauen den Schülern etwas zu, was sie schaffen können und das gibt ihnen ein großes Vertrauen in sich selbst.“ Sie müssten ein Ergebnis sehen, um den Erfolg zu verinnerlichen, erklärt Faßbender. Das kann dann sowohl Kochen wie auch Saubermachen sein.

Super Leistung im zweiten Anlauf

Doch trotz aller Unterstützung seiner Lehrer war Michael beim ersten Versuch, den erfolgreichen Mittelschulabschluss zu bestehen, gescheitert. „Er hatte zwar einen ausreichenden Notendurchschnitt, aber zwei Fünfer sind nicht ok“, so Trojer. „Beim zweiten Versuch waren wir alle dran und es hat sich gelohnt: Sowohl sein Lehrer, wie eine Honorarkraft als auch sein Betreuer bei aeH gaben ihm Nachhilfe und übten mit ihm. „Wir hatten nur ein Ziel, diese eine Prüfung. Nichts anderes. Und es hat sich gelohnt“, so Faßbender. Schließlich verbesserte sich der mittlerweile 19-Jährige in drei Fächern. „Eine super Leistung“, freuen sich beide anderwerk-Mitarbeiter.

 

Jetzt schaft er es auch in die Berufsausbildung

Dank dieser bestandenen Prüfung und vor allem durch die intensive Betreuung habe Michael große Entwicklungsschritte gemacht. „Nicht nur sein Selbstbewusstsein ist gewachsen, auch seine soziale Impulskontrolle ist sehr viel besser geworden“, lobt Faßbender. Es sei schön zu erleben, wie seine Auffassungsgabe sich verbessert.

„Wir wollen ihn jetzt auf diesem Motivationslevel halten“, fährt Faßbender fort, „denn dann schafft er auch den Schritt in die Berufsausbildung mit der Berufsschule. Wir sind in diesem Fall auch sehr froh, dass wir mit den Eltern so toll zusammenarbeiten konnte. Der Vater, Elektriker, möchte seinen Sohn bei seiner Ausbildung zum Elektrofachmann unterstützen. Und wir von anderwerk glauben fest an seinen Erfolg.“

*Name von der Redaktion geändert.